Seite im Aufbau, einfach hin und wieder vorbeischauen und Inspirieren lassen.
Hier schreiben Pfarrer Hans-Jürgen Koller und seine Pfarreimitarbeiter gelegentlich spirituelle, nachdenkliche und informative Text ein, die neue Impulse setzten sollen.
Die Texte werden selbst geschrieben oder es sind Textfunde, die gesonderter gekennzeichnet sind.
Viel Spaß beim durchsehen und entdecken von neuen, eigenen Impulsen.

Inhaltsverzeichnis:
1. Texte aus der Zeitschrift vom Verein „andere Zeiten“.
– Schritt für Schritt durch die Passionszeit.
– Lebensmotto – nein danke!
Schritt für Schritt durch die Passionszeit
Fasten-Wegweiser wandeln 2026
Wie beim Pilgern geht es auch beim Fasten ums Aufbrechen und Unterwegssein. Um Berge und Täler, die es zu besteigen und zu durchqueren gilt, um Weggemeinschaft und oft auch um das, was jeder Mensch an Ballast im Rucksack mit sich trägt. Der Weg ist herausfordernd, aber viele Menschen gehen gestärkt und erfüllt aus dieser Zeit hervor Unser Fasten- Wegweiser wandeln 2026 begleitet Sie mit täglichen Impulsen durch die Fastenwochen: Texte von namhaften Autorinnen und Autoren wie zum Beispiel Etty Hillesum, Gerhard Schöne und Julia Engelmann wechseln sich ab mit Gedichten, kreativen Übungen und Fragen zur Reflexion. An den Sonntagen lesen Sie persönliche Texte aus der Andere Zeiten-Redaktion zu den sieben Schlüsselworten der schwedischen Pilgertheologie: Einfachheit, Unbekümmertheit, Freiheit, Stille, Teilen, Langsamkeit und Spiritualität. Sie beschreiben wesentliche Erfahrungen des Pilgerns – und zugleich drücken sie Sehnsüchte und Haltungen aus, die wir auch in der Fastenzeit erleben können. Die vielschichtigen und feinsinnigen Illustrationen stammen in diesem Jahr von der Künstlerin Ramona Ring.
Hier bestellen: anderezeiten.de/bestellen
Text und Bild: andere Zeiten e.V.
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Lebensmotto – nein danke!
Ich habe einen Trend verpasst. Wobei – nein, eigentlich scheint das keine neumodische Angelegenheit zu sein. Vielleicht habe ich eher eine lebensentscheidende Weichenstellung verpasst. Aber von vorne: In der Redaktionssitzung zu diesem Magazin warf eine das Thema auf: „Lasst uns doch mal was über das Lebensmotto von Menschen machen! Zum Beispiel: >Wer weiß, wofür es gut war!< Das hat meiner Oma oft geholfen!“
Ich gestehe: In diesem Moment, war ich gedanklich raus. Lebensmotto, dachte ich, wer hat schon so was. Ich schweifte also innerlich ab und bereitete mich auf die Präsentation meines eigenen Themas vor. Nur mit einem Ohr hörte ich die euphorischen Einwürfe der Kolleg:innen: „Versuch macht kluch!“ – „Lebe, lache, liebe!“ Und je länger ich dem Hin- und Herwerfen von möglichen Mottos zuhörte, desto mehr wuchs mein Widerstand: „Euer Ernst? Findet ihr so einen Multifunktionsspruch wirklich sinnvoll?“ – „Bietet Orientierung! Gibt Sicherheit! Hilft mir, Entscheidungen zu treffen! Erinnert mich daran, was mir wichtig ist!“, waren nur ein paar der postwendenden Antworten.
Wenige Tage später saß ich im Wohnzimmer einer Freundin und blickte auf ein ölgemäldegroßes Wandtattoo: „Carpe diem!“ Heute kann ich sagen: Ich habe mich ganz bewusst entschieden. Ich will und ich werde mir kein Lebensmotto suchen.
Zunächst stoße ich mich an der Zeitvorgabe. Ein Lebensmotto heißt für mich: Es begleitet mich mein Leben lang. Aber ist mein Leben dafür nicht viel zu bunt und vielfältig, sind die einzelnen Phasen nicht viel zu unterschiedlich? Als ich zwanzig war, hätte ich gut etwas Zuspruch brauchen können: Du bist gut so, wie du bist! Mit 35 vielleicht eher etwas Gelassenes: Du musst nicht alles perfekt machen! Und heute? Keine Ahnung. Ich frage die KI nach einem Lebensmotto für 50+. Sie schlägt mir Goethe vor: „Alt wird man wohl, wer aber wird klug?“ Na, danke auch.
Ich spüre schon wieder meinen Widerstand: Wieso muss ich mich mit diesen Allgemeinplätzen auseinandersetzen – mich daran messen, sie verwerfen und weitersuchen? Wieso soll ich meinem Leben eine Überschrift geben? Mal angenommen, die hieße: „Von nichts kommt nichts.“ Was würde ich dann genau heute eigentlich anders machen? Wo sind die Berufstätigen, die in ihrem Job ihren Traum leben? Und wenn mich das Leben in die Knie zwingt, will ich übrigens gerade keinen Limbo tanzen.
Mein Leben ist keine Mottoparty. Ich will und werde hoffentlich nicht aufhören zu fragen, was mir wichtig ist. Möchte Werte in den Blick nehmen und mich daran ausrichten. Ehrlichkeit, Humor und Ruhe such und brauch ich. Diese Werte kann ich für mich formulieren und sie im Herzen tragen. Manchmal ziehe ich auch Kraft aus biblischen Versen. An die Wand oder auf meine Fußmatte schreiben muss ich sie aber nicht. Et kütt doch sowieso, wie et kütt.
Text: Iris Macke
Quelle: Andere Zeiten – Das Magazin zum Kirchenjahr, Heft 01/2026, Hamburg, Andere Zeiten e.V., www.anderezeiten.de
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2. Meditationen
Frei sein
Ich möchte gerne frei sein von der Angst
gegen den Strom zu schwimmen,
damit ich tun kann, was recht ist.
Ich möchte gerne frei sein vom Zwang
immer an mich zu denken,
damit ich auch die anderen nicht übersehe.
Ich möchte gerne frei sein von der Versuchung
stets den bequemsten Weg zu gehen,
damit ich mich mit gutem Gewissen
freuen kann über das Erreichte.
Ich möchte gerne frei sein von der Lieblosigkeit
gegenüber denen, die mir nicht liegen,
damit ich glaubwürdig sein kann.
Ich möchte gerne frei sein von Neid und Habsucht,
damit ich bereitwillig teilen kann
mit denen, die es so dringend brauchen.
Ich möchte gerne frei sein von Schuld und Versagen,
damit ich fröhlichen Herzens
täglich neu beginnen kann.
Text: Helene Renner
Quelle: predigtforum.at

Foto: Vladislav Belyavski (unsplash.com)